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Hohensaaten – Störe gehören – nicht zuletzt wegen des Kaviars - zu den meist begehrten, aber zugleich auch am meisten gefährdeten Speisefischen. Gleich zwei Agrarminister haben sich heute am brandenburgischen Oderufer getroffen, um für die weitere Unterstützung des länderübergreifenden Projekts zur Wiederansiedlung des Baltischen Störs zu werben. Bei Hohensaaten halfen Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger und Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus dabei, 200 etwa 60 Zentimeter große Jungstöre in die Oder zu setzen. Ziel ist, die von Fachleuten auch als lebende Fossilien bezeichnete Fischart hier nach mehr als 50 Jahren Abwesenheit wieder heimisch werden zu lassen. Dies wird aber noch Jahre dauern, so Vogelsänger und Backhaus: "Die Wiederansiedlung des Baltischen Störs im Odersystem gelingt nur, wenn Besatzmaßnahmen weitergeführt werden. Erst wenn sich eine stabile und selbst reproduzierende Population entwickelt hat, ist eine fischereiliche Nutzung möglich. Bis dahin brauchen alle Beteiligten einen langen Atem. Das Überleben der Störe kann dabei nur durch eine Zusammenarbeit der Wissenschaftler mit Fischern und Anglern gesichert werden."

Besatzstöre vom Darß


Die Besatzstöre wurden in der Darßer Außenstelle Born der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) Mecklenburg-Vorpommern aufgezogen. Sie stammen aus kontrollierter Nachzucht des Elterntierbestands, der dort seit 2005 im Rahmen eines Projekts vom Bundesumweltministerium, vom Bundesforschungsministerium sowie mit Hilfe der Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg aufgebaut wird. 2010 gelang dort erstmals die Reproduktion des Baltischen Störs. Damit konnte diese Störart erstmals außerhalb Nordamerikas künstlich reproduziert werden. Von drei Weibchen konnten insgesamt 475.000 Eier gewonnen werden, aus denen 330.000 Larven schlüpften. Bis heute wurden schon über eine Million Larven aus der Aufzucht der LFA für Besatzmaßnahmen und experimentelle Untersuchungen bereitgestellt.

Die flankierenden Arbeiten wurden von der Gesellschaft zur Rettung des Störs und ihren Partnereinrichtungen in Deutschland und Polen bereits Mitte der Neunzigerjahre initiiert. Den Forschern gelang es, die Grundlagen für einen langfristigen und umfangreichen Besatz zu schaffen.

Der brandenburgische Nationalpark Unteres Odertal in den Landkreisen Uckermark und Barnim wurde als Besatzort gewählt, weil die Jungstöre in den ausgedehnten naturnahen Überschwemmungsflächen der Oderaue sehr gute Lebensbedingungen vorfinden. Insgesamt konnten im Vorhaben seit 2006 mehr als 500.000 Jungstöre im Odergebiet ausgesetzt werden.

Jahrelange Reise in Richtung Ostsee und zurück

Die Tiere, die alle markiert sind, sollen von hier aus ihre Reise in die Ostsee antreten, von der sie erst nach etwa 15 Jahren zum ersten Mal zum Ablaichen zurückkehren werden.

Der Landesfischereiverband Brandenburg ist als Projektpartner mit im Boot: Die intensive Zusammenarbeit mit den Berufsfischern und Anglern ermöglicht das Monitoring der Störe. Mit der Markierung ist auch die Bitte an die Fischer verbunden, zufällig gefangenen Tiere schonend zurückzusetzen beziehungsweise Fänge zu melden. Diese Fangdaten helfen, die Wanderungen und das Wachstum der Tiere nachzuvollziehen und geben so wichtige Informationen über den Erfolg des Wiedereinbürgerungsprogramms.

Gerade durch das gemeinsame Monitoring mit Fischereibetrieben und Angelfischern steigen die Überlebenschancen der Jungfische im Odersystem. Vor diesem Hintergrund ist die Nominierung des Störs zum Brandenburger Fisch des Jahres 2013 durch den Landesfischereiverband ein wichtiges Signal.

Alle das Projekt begleitenden Maßnahmen zur Verbesserung der Durchwanderbarkeit der Gewässer und zur Verbesserung der aquatischen Lebensräume kommen nicht nur dem Stör zugute. Sie dienen auch der Verbesserung der Lebensbedingungen für viele andere im Wasser wandernden Arten. Zudem zeigt jede neue oder wieder angesiedelte Art, dass es immer besser gelingt, Flüsse gesunden zu lassen und Schäden aus dem Zeitalter zu beseitigen, in dem Gewässer ohne Rücksicht auf Fischerei und Umwelt vor allem für die Industrie genutzt wurden.

200 Millionen Jahre alte Vorfahren

Der Stör ist ein Fisch mit gleich mehreren Superlativen: Er ist der größte europäische Wanderfisch – ein Wanderer zwischen Flüssen, Seen und Meeren und in Anbetracht seiner erdgeschichtlichen Überdauerung auch ein Wanderer zwischen den Welten. Als vor über 200 Millionen Jahren nachgewiesenes Urtier gilt er auch als lebendes Fossil. Er zählt wegen seines Kaviars, auch "Schwarzes Gold" genannt, zu den teuersten Fischen der Welt. Er kann, wenn man ihn lässt, auf eine Länge von bis zu acht Metern heranwachsen und wird damit zum größten Süßwasserfisch. Schließlich weist er auch ein beeindruckendes Lebensalter auf. Hundert Jahre alte Exemplare wurden schon nachgewiesen.

Die heute bekannten 27 Arten sind fast alle gefährdet beziehungsweise vom Aussterben bedroht. In vielen Fällen ist das Überleben nur noch durch die Aufzucht in Aquakulturen möglich.



Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg Vorpommern

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